Transatlantik–die sechste…

Die Reise meiner letzten beiden Posts wird fortgesetzt. Der geneigte Leser erinnert sich: Die Strecke Rügen – Nord-Ostsee-Kanal-Nordsee-Englischer Kanal-Biskaya-Spanien-Madeira-Gran Canaria liegt schon hinter mir. Jetzt habe ich eine Woche Zeit, mein Schiff und die neue Crew auf den Atlantik vorzubereiten. Diesmal war das für mich ziemlich stressig: Wegen Gesundheitsproblemen mussten wir kurzfristig den Skipper der zweiten Yacht ersetzen, die als unser Schwesterschiff parallel fuhr. Damit blieb ein großer Teil der Vorbereitungsarbeiten für ZWEI Schiffe an mir hängen. Viel Freizeit hatte ich in der Woche nicht.

Auch wenn die ARC aus Pandemiegründen etwas kleiner war als sonst, waren es immer noch haufenweise Boote, die sich auf den Törn vorbereiteten.

Wie üblich, war die Verpflegung und der Einkauf ein wichtiges Thema. Schon Monate vorher hatten wir begonnen, und planungsmäßig darauf vorzubereiten. Bei zwei großen Videokonferenzen mit beiden Crews wurde – neben diversen sonstigen Fragen – die Essensplanung intensiv vorbereitet. Daraus resultierte eine genaue Mahlzeitenplanung mittels einer Google Docs Datei, in der die Rezepte in eine Stückliste verwandelt und daraus die Basis unserer Einkaufslisten erstellt wurden.

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Auch Diese wurde reichlich gebunkert: Zu den 280 Litern im Schiffstank nahmen wir sicherheitshalber weitere 200 Liter in Kanistern mit. Wir waren mit unserem hohen Stromverbrauch trotz mehrerer Solarpanels nicht autark, sondern mussten regelmäßig die Batterien mit der Maschine aufladen.

Langsam aber sicher vervollständigten sich Hafen, Crew und Ausrüstung und pünktlich zum Startsonntag war alles bereit und die Crew wollte unbedingt los und das Abenteuer beginnen. Leider fiel zum zweiten Mal ein Großteil des Vorbereitungsprogramms – über das ich ja in den vergangenen Jahren schon viel berichtet habe – der Pandemie zum Opfer und aus. Den “Neuen” fiel das naturgemäß nicht so auf wie mir.

Es ist auch für mich immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis, wenn zweihundert Yachten aus Las Palmas auslaufen und sich zum Start begeben. Das Gewusel bei der Ausfahrt aus dem Hafen ist für den Skipper schweisstreibend…

Die Startlinie wird wie immer an einer Seite vom Komiteeschiff begrenzt, das nach langjähriger Tradition eine Korvette der spanischen Marine is.

Pünktlich um 1300 Uhr begab sich die Masse der Schiffe auf die über 2.700 Seemeilen lange Reise – nur die Katamarane und die Rennyachten  waren jeweils eine Viertelstunde früher gestartet. Bei bestem Segelwetter war das diesmal ein prächtiger Start.

Dies Boot fuhr allerdings nicht mit –  ich hab es nur fotografiert, weil ich das Segel einer Optimistenjolle als Besan so niedlich fand…

Der Anblick der Flotte so ein, zwei Stunden nach dem Start auf dem AIS meines Notebooks ist schon beeindruckend. Ich hab die Signale allerdings nicht gezählt.

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Alle möglichen Yachten nehmen an der ARC teil, teils auch als Kojencharter. Die schnellste Kojencharter-Yacht diesmal seht ihr hier:

Die TELEFONICA war 2011/2012 Gesamt-Vierte im VOLVO OCEAN RACE um die Welt und ist eine Open 70. Bei der ARC war sie leider vom Pech verfolgt und endete entgegen der Voraussage nicht in der Spitzengruppe.

Schon nach wenigen Tagen stellte sich die übliche Routine ein: Wache gehen, schlafen und täglicher Zeitvertreib lösten sich regelmäßig ab. Zwischendurch gab’s dann auch mal die schon traditionelle Totalflaute, bevor man auf der Höhe der Kapverden den Passat erwischt: Ja, und ich kenne den Film auch – deshalb bin ich an Bord geblieben Winking smile


Ach ja, und ein bisschen Food Porn und Drink Porn muss natürlich auch sein. Hier zum Beispiel der weltberühmte Kartoffelsalat des Skippers, der immer wieder sehr gerne genommen wird:

Und nicht zu vergessen unsere nachmittägliche Cocktailstunde mit leckeren Rezepten (natürlich alkoholfreie – ich fahre ja bekanntlich ein komplett “trockenes Schiff” bis zum Anlegen)

Kulinarisch haben wir überhaupt recht gut gelebt, wie dieses Bild zeigt. Allerdings waren diesmal unsere Fischfang-Bemühungen nur von relativ wenig
Erfolg gekrönt, sonst ist das ja immer eine erhebliche Bereicherung des Speisezettels.

So langsam kamen wir dann in die Breiten der “Squalls”, das sind kleine und fiese Schauerböen mit kurzfristig viel Wind. Meistens konnten wir ihnen gut ausweichen, es gab diesmal auch nicht sooo viele. Aber manchmal erfreuten sie uns dann auch mit einem tollem Schauspiel wie diesem:


Und solche Abende gab es viele – ich erspare Euch aber größere Serien von Sonnenuntergangsbildern – davon gibt es ja schon mehr als genug.

Unterhaltsamer sind da sicher seltene Dokumente über das Reinigungsverhalten des segelnden Menschen auf dem Atlantik. Bekanntlich sind die Süßwasservorräte auf einer Yacht ja begrenzt. Deshalb ist es die Aufgabe des eigens dafür ernannten sog. “Duschgasten”, für die gründliche Benetzung der muskelgestählten(Be right back) Seemannskörper zu sorgen, damit die regelmäßige Reinigung mit Salzwasser erfolgen kann. Gottseidank hatte das Wasser so 25, 26 Grad. Mithilfe eines speziellen Salzwasser-Shampoos ist dann auch das Haare waschen kein Problem.

Westlich der Kapverden haben wir dann endlich den klassischen Nordost-Passat zu fassen bekommen und es ging mit anständigem Tempo nach Westen. Wir hatten zwar einen Spinnaker an Bord, aber der Passat blies regelmäßig mit 20 Knoten plus, sodass der Spi meistenteils im Sack blieb.  Stattdessen kam die klassische Passat-Besegelung mit ausgebaumter Genua zum tragen:


Für diese Besegelung muss man ein bisschen was vorbereiten: Der Spibaum muss nach oben, vorn und achtern fest fixiert werden, dafür längt man sich spezielle Leinen ab. Außerdem wird die Fockschot vorn am Spibaum durch den dortigen Ring gefahren. Es empfiehlt sich, diese Verbindung mit einem dafür angefertigten Dyneema Softschäkel zu machen, um Beschädigungen der Schot durch Reibung zu vermeiden.

Hier nochmal ein paar Bilder aus dem täglichen Bordleben:


Die Aufgabe, täglich zehn Leute an Bord schmackhaft satt zu bekommen, darf nicht unterschätzt werden. Fast alle Crewmitglieder haben dazu Gerichte beigesteuert. Wer nicht kocht,wird zum Schnippeln angestellt oder wäscht hinterher ab. Auch das ist nicht ganz ohne, da das im Cockpit mit Salzwasser geschieht.


Ab der zweiten Woche gehört natürlich auch das vom Skipper täglich gebackene frische Brot zu den Highlights. Es wurde genauso verschlungen wie die abwechselnd von einem weiteren Crewmitglied gebackenen Brote.


Hier im unteren Bett nächtigte der Skipper. Normalerweise sieht meine Behausung anders aus. So lange, wie ich regelmäßig an Bord bin, habe ich natürlich Anrecht auf eine eigene Kabine, in der ich dann auch meine Gepäckberge (z.B. Kleidung für den Gefrierpunkt bis 35 Grad) aufbewahren kann. Die Transatlantikreisen mit der ARC sind allerdings derart gesucht, dass ich mit dem Veranstalter eine Vereinbarung habe, dass jede Koje verkauft werden kann.

Interessant ist auch immer wieder das Netz, das wir von der Salondecke spannen und das einen ganz großen Teil unseres Obstes und Gemüses aufnimmt. Dies bleibt dadurch schön luftig und das Netz trägt dazu bei, dass die Früchte deutlich länger frisch bleiben.
Hier ist es bereits halb leer. Wenn es beim Start in Las Palmas voll ist, dürften da locker einige hundert Kilo hängen. Die Haken sind aber sehr gut befestigt.


Ach ja, und dies jährliche Foto darf natürlich auch nicht fehlen:

Tradtionell trägt der Skipper beim Briefing am 6. Dezember die eigens dafür mitgeführte Nikolaustag-Mütze…

Und noch was zum Thema Essen: Es ist immer gut, wenn man ausreichend Diplomingenieure an Bord hat. Dann wird das noch vorhandene Fleisch im Handumdrehen mithilfe des vom Skipper zur Verfügung gestellten Takelgarns zu Rouladen verarbeitet – die übrigens hervorragend geschmeckt haben.


So, das war’s von der Überquerung Herbst 2021. diesmal etwas anders berichtet als in den Vorjahren. Wer mehr wissen will, schaut halt bei meinen Herbst- und Winter-Posts der Jahre 2019,2018,2017,2016 nach.

Inzwischen habe ich auch schon die nächste Transatlantik-Reise hinter mir, diesmal im Februar-April 2022 von St. Maarten in die Ostsee. Und zur Zeit bin ich in den schwedischen Westschären unterwegs, bevor es dann am 2. Juli wieder auf die Azoren geht. Es gibt also noch viel zu berichten.

So stay tuned!

und weiter geht’s Richtung Karibik

Der nächste Teil der Strecke – von A Coruna über Porto nach Madeira war dann wesentlich angenehmer zu segeln. Wir mussten nur gegen heftigen Wind und Welle das Stück von A Coruna  um das Kap Finisterre herumbolzen, und danach hatten wir bis nach Madeira eigentlich nur noch gutes Wetter und Wind von hinten. Hier ist das erste Teilstück:

Coruna_Muxia 

Muxia ist mein traditioneller Zwischenstopp nach dem ersten Reisetag, weil die Marina neu und sauber ist, und es in Fußmarschnähe ein tolles Fischrestaurant gibt.

Danach kamen dann strategische Überlegungen: Für die Gesamtstrecke nach Las Palmas hatte ich diesmal deutlich weniger Zeit zur Verfügung als sonst. Also war die Frage: Hafentag in Lissabon oder auf Madeira. Mit der Crew zusammen haben wir uns dann für Madeira entschieden. Also schon mal eine Nacht durchgebrettert und direkt nach Porto gefahren – denn das ist ein MUSS auf der Strecke.

Muxia_Porto

Von Porto habe ich diesmal keine Bilder mitgebracht, davon habe ich in den vergangenen Jahren schon einiges gebracht, schaut einfach mal in die jeweiligen Oktober/November-Posts hinein.

Es gibt dort zwei Marinas: Leixões und die Ouro Marina. Leixões  ist ein Hafen, den ich nicht sehr gern mag. Die Marina ist eng und der ganze Hafen ist ein riesiger Industriehafen. Viel schöner (aber auch ein bisschen teurer) ist die Ouro Marina in der Mündung des Ouro:

Douro

Draußen steht immer ziemlich Welle, aber wenn man erstmal im Fluss ist, liegt man extrem geschützt.

In den vergangenen Jahren ging immer direkt östlich der Marina immer eine Fußgängerfähre auf die Nordseite des Flusses, und von dort fuhr dann eine uralte Straßenbahn – wie man sie auch aus Lissabon kennt – längs des Flussufers in die Stadt.  Leider durfte sie wegen Corona nicht fahren, so dass wir mit dem Taxi über die Straßenbrücke nach Porto mussten. Diesmal haben wir unter anderem zum ersten Mal eine zünftige Portwein-Weinprobe gemacht, über den Rest des Tages decken wir mal den Mantek des Schweigens – aber gut gegessen haben wir noch. Leider hat uns Porto diesmal mit viel Regen empfangen, was schade war.

Am nächsten Morgen sind wir dann ausgelaufen, um das Zeitfenster mit idealem Segelwetter perfekt auszunutzen: Wir sind bei herrlichem Wetter 600 Seemeilen vor dem Wind bis raumschots zügigst bis Madeira gerauscht, schöner geht’s in europäischen Gefilden kaum.

DSC00004

Da wir reichlich Wind hatten, fuhren wir mit voller Fock und klein gerefftem Großsegel, was das trotz der Geschwindigkeit etwas gemütlicher machte.

Porto_Lorde

Was unsere Ruhe allerdings plötzlich störte, waren die komischen Geräusche, die der Autopilot bzw. die Ruderanlage machte. Es stellte sich heraus, dass auf einer Seite der Doppelruderanlage eine Lenkstange abgeschoren war. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir das gemerkt hatten, da das Boot ja mit der anderen Hälfte des Ruders noch gut unter Autopilot fuhr. Diese blöde Lenkstange drückte dann aber gegen die Wand zur Achterkabine, und nachdem sie dort anklopfte, hat ihr die Achterkabine dann auch aufgemacht:

DSC00008

Es sah schon arg seltsam aus, wie diese Stange je nach Steuerung durch den Autopiloten immer vor und zurück ging. Ich hab das zwar gefilmt, der Film ist aber als “boatporn” unter Verschluss.Winking smile

Stattdessen habe ich mal ein Bild von meinem Arbeitsplatz bei Nacht gemacht. In der oberen Reihe sieht man links das UKW-Funkgerät, daneben das Radio. Unter der Konsole hängen von links nach rechts das SSB-Kurzwellen-Funkgerät, das NAVTEX, der Zweit- bzw. Reserveplotter und der Lautsprecher für den Kurzwellenfunk. Darunter ist das Standard Sicherungs-Panel für Bavaria-Yachten und daneben ein Anzeigegerät für den Ladezustand meiner Batterien. dies zeigt nicht nur die Spannung an, sondern misst auch genau, wieviel Strom aus den Batterien hinaus- und hineingeht. Damit habe ich einen viel besseren Überblick über meinen Stromverbrauch an Bord.  Und auf dem Tisch steht – angebunden – mein Spezial-Laptop, über den ich die komplette Navigation und Kommunikation mache: Im Seekartenprogramm OpenCPN sind alle aktuellen amtlichen Karten der Gebiete, die ich befahre, angeschlossen ist mein eigenes GPS mit Außenantenne, per WLAN kann ich auf die Daten des Schiffsplotters zugreifen, ein eigenes passives AIS zeigt mir alle Schiffe in meiner eigenen Seekarte,  für den Verkehr im Hafen ist ein WLAN-Verstärker angeschlossen und per Bluetooth ist der Laptop mit der Kurzwellenfunke verbunden, sodass mit der entsprechenden Software Wetterkarten und Emails empfangen und Mails versendet werden können. Dazu ist das ganze Ding noch extrem stoßgesichert, sodass es vom Militär auch in Panzern eingesetzt wird. Für die Interessierten: Das Ding nennt sich Panasonic Toughbook.

Von solchen Himmelsbildern hab ich viele, die meisten sehen ziemlich kitschig aus, aber das hier gefällt mir, weil es die Abendstimmung mal ein wenig anders wiedergibt.

Wie gesagt, 600 Seemeilen vor dem Wind bei herrlichstem Segelwetter –  das habe ich auf dieser Strecke auch schon anders erlebt.

 


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Ach ja, und diesmal habe ich nicht nur einen großen Wal gesehen, sondern durch Zufall auch gerade die Kamera in der Hand. Meistens taucht so ein Tier ja auf, wenn man nicht damit rechnet – und bis man die Kamera geholt hat, isser weg…

Das Ziel war Quinta do Lorde auf Madeira. Diese gepflegte Marina gehört zu einem Hotel und Resort Komplex, der leider pleite gegangen ist. Das einzige, was noch geöffnet ist, ist die Marina. Bei den Mädels im Büro herrschte aber ziemlich gedrückte Stimmung, weil keiner weiß, wie lange es diese Marina noch geben wird. Es wäre sehr schade drum.

Vielleicht doch noch mal ein paar Bilder von meiner üblichen Madeira-rundfahrt, weil’s so schön ist und die Unterschiedlichkeit der Landschaften in Abhängigkeit der Höhe (von Null bis 1600m) zeigt.

Die EU hat Portugal sehr bei den Infrastruktur-Investitionen auf der Insel geholfen. Ich habe selten Ein so gutes Straßensystem mit so vielen Tunnels gesehen. Vorher muss die Insel nur sehr mühsam zu befahren gewesen sein. Hier sieht man sehr schön den Unterschied zwischen alt und neu:



Madeira wird nicht umsonst die Blumeninsel genannt. Fast überall gibt es rund um’s Jahr eine Blütenpracht, die ihresgleichen sucht.

Und nach der Rundfahrt war noch eine Reparatur an der Mastspitze angesagt. Wie meist üblich, ging uns er kleinster und leichtester nach oben – was ein Glück, dass das auch noch mein bester Mann für Reparaturen und alles andere war…

Von oben hat man natürlich eine tolle Sicht.

Und dann ging es weiter nach Las Palmas. Über die letzten drei Tage direkt nach Las Palmas gibt es nicht viel zu berichten, ein ereignisloser, normaler Törn. Schade nur, dass ich meinen ursprünglichen Plan nicht durchführen konnte.  Eigentlich wollte ich meinen Seefunkfreund Federico in Tazacorte auf La Palma besuchen –  der hatte aber beim Vulkanausbruch sein Haus verloren und außerdem war Tazacorte immer noch für den Schiffsverkehr gesperrt. Also ging es direkt nach Las Palmas zur Vorbereitung auf die Transatlantiküberquerung 2021.

Doch davon später mehr.

Die nächsten Reisen–wer will mit?

Liebe Alle,

nach zwei Monaten zuhause wird es höchste Zeit, dass ich wieder auf See gehe. Deshalb hier die Daten meiner nächsten Hochseetörns. Wer mit will, melde sich einfach bei mir. Auf fast allen Teilstrecken sind noch Kojen verfügbar:

28.02. –26.03.2022 Transatlantik Sint Maarten – Horta/Azoren – 2.500 pures Blauwassersegeln
27.03. – 09.04.2022 Azoren – La Coruna – die “kleine” Atlantiküberquerung
10.04. – 23.04.2022 La Coruna – den Helder/Amsterdam – nautisch hoch anspruchsvoll: Biskaya und Englischer Kanal
24.04. – 30.04.2022 den Helder/Amsterdam – Breege/Rügen

außerdem schon geplant:

03.07. – 16.07.2022 Azorensegeln: Ponta Delgada/SanMiguel – Terceira – Graciosa – Saõ Jorge – Pico – Horta/Faial
17.07. – 24.07.2022 Azorensegeln: Horta –  zentrale Azoren – Horta
24.07. – 06.08.2022 Azorensegeln: Horta –  Pico – Saõ Jorge – Terceira – Ponta Delgada/San Miguel

weitere Törns kommen demnächst dazu. Wer Lust hat, mitzukommen, meldet sich einfach bei mir auf den bekannten Wegen, zum Beispiel auf segelwolf (bei) gmx.de.

In Kürze folgt dann der Bericht über den nächsten Teil der letzten Transatlantikreise.

So stay tuned!

Rügen–Karibik 2021–die erste

Nachdem die bereits fest geplante  – und auch gut gebuchte – Reise 2020 dem Coronavirus zum Opfer gefallen war, ging es nun dies Jahr wieder los. Zu dieser Reise gehört ja auch die zweite Transatlantiktour in diesem Jahr, nachdem ich ja im Frühjahr bereits von Panama ins Mittelmeer “andersrum” gefahren war.

Ich war bereits eine Woche vor Abreise auf Rügen, um bei der Vorbereitung meiner “Mola” und des zweiten Schiffs “Lissy III” mitzuarbeiten. Nach den Corona-Zwangspausen war der Andrang so groß, dass wir in diesem Jahr mit zwei Schiffen in die Karibik unterwegs waren, und da es beim zweiten Schiff Terminprobleme bei der Skipperbesetzung gab, durfte ich mich also um zwei Schiffe UND zwei Crews mit ihren vielen Fragen kümmern. – Glaubt mir: Ich war froh, als es am 21.11. dann endlich auf den Atlantik hinaus ging.

Von den ersten Etappen

  • Rügen – Kiel – Brunsbüttel – den Helder – Amsterdam
  • Amsterdam – Cherbourg

gibt es nicht viel zu berichten, außer, dass das Wetter nicht das tollste war. Hier deshalb keine Fotos, sondern nur die gefahrenen Strecken:

Törn 1

3. Etappe

Interessant war nur, dass wir – anders als in den vergangenen Jahren – einen Tag zusätzlich Zeit hatten und deshalb den Crew-Wechsel von den Helder nach Amsterdam verlegt haben, was sowohl der ankommenden als auch der abreisenden Crew sehr zupass kam.

Der nächste Crewwechsel war für Cherbourg geplant. Diese Etappe ist eine der anspruchsvollsten auf der ganzen Reise. Neben vielen Sänden, die einem beim Geradeausfahren arg behindern, muss man auch – wie immer nachts –  die Zufahrt nach Rotterdam mit ihrem heftigen Frachterverkehr queren, und dann hat man traditionell auch noch meist Westwind, was einem beim Fahren nach Westen auch nicht gerade hilft Steaming mad. Wir haben deshalb aus Zeitgründen mehrere Zwischenstopps gestrichen und haben auf dem Weg nach Cherbourg nur ein einziges Mal gehalten, nämlich in Dieppe.

Reisetrack

Einer der Gründe war, dass uns ziemlich viel Sturm erwartete, und ich wollte rechtzeitig im Hafen sein. Wir laufen also mittags aus und bekommen draußen vor dem Hafen sofort was auf die Nase: 5-6 Beaufort und das am Wind! Sportliches Segeln ist angesagt.

Groß Kochen war natürlich nicht, deshalb gab es im Cockpit kurz vor Sonnenuntergang den bekannt guten Skipper-Kartoffelsalat mit Bratwurst – entweder mit Senf oder auch als Currywurst.

Danach flaute es dann etwas ab auf 3-4 Bft., sodass wir unter Vollzeug in die Nacht segeln konnten. Irgendwann hatte der Wind aber so weit nach Westen gedreht, dass wir nachts wenden mussten, sonst wären wir irgendwann in England gelandet – wir wollten aber ja nach Cherbourg, weil dort die neue Crew auf mich warten würde.

Am nächsten Morgen hatten wir dann die klassische Tiden-Situation: Mittlerweile lief ein Tidenstrom von 3 Knoten quer zu unserem Kurs, sodass wir eigentlich nur noch hin und her kreuzten. Also Maschine dazu und mit Fock und Maschine ab nach Cherbourg , wo wir dann mittags ankamen. Wir hatten im englischen Kanal 366sm nur mit einem Stopp zurückgelegt und alles dazwischen ausgelassen.

In Cherbourg hatte ich es dann ziemlich eilig wegen der weiteren Wetterentwicklung. Wir sind also schon am nächsten Tag gleich spät Abends weitergefahren. Eigentlich wollte ich wie immer einen Zwischenstopp auf Guernsey einlegen oder nach Frankreich nach Lezardrieux, aber das haben wir alles ausgelassen und sind durch die Nacht und weiter direkt nach Camaret-sur-Mer in der Nähe von Brest gefahren.

Erst konnten wir ganz gut segeln, aber um das berüchtigte Cap de la Hague mussten wir dann doch motoren, weil die Tidenströmung dort einfach zu stark war. Nachts erwartete uns dann vor Guernsey schon heftiger Wind mit 6 Bft. , sodass wir schon wieder gegen heftig Wind und Welle gegenan fahren mussten. Das ist wohl mein Schicksal auf dieser Strecke. Jedenfalls bin ich ziemlich weit draußen nach Westen gefahren, fast in der Großschifffahrtsstrecke, bevor ich dann nach Süden wendete um die Einfahrt in die Bucht von Brest zu bekommen. Das klappte einigermaßen sodass dir morgens um zehn in Camaret ankamen. 

6. Etappe

Vor der Marina lag einer, da da nicht reinpasste, auch der war auf dem Weg in den Süden.

Wir sind ja ziemlich spät im Jahr unterwegs, deswegen sind die Marinas schon ziemlich leer, so auch Camaret, dass uns aber mit einem wunderschönen Abendhimmel verwöhnte.

Wie gesagt, wir hatten es ziemlich eilig, weil wir vor einem wahrscheinlich dräuenden Starkwindfeld über die Biskaya wollten. Deswegen ging es auch gleich am nächsten Tag weiter.

Noch am Tage begegneten wir diversen Fischern mit ihren Schleppnetzen. Die Jungs fahren laufend zickzack und sind deshalb sehr schwer auszurechnen. Tagsüber geht das ja noch, aber nachts mit ausgeschaltetem AIS haben die so manchen Schweißtropfen auf meiner Stirn produziert.

Es begann mit schönem Segelwetter – nur leider fuhren wir in eine Richtung, wo wir nicht hinwollten – nämlich längs der französischen Küste. Zumindest war das angenehmes Fahren – wir konnten teilweise sogar richtig am Salontisch essen.


Irgendwann musste ich aber dann doch mal wenden, um Richtung La Coruna zu fahren. Die Starkwindzone rückte langsam näher und vor der hatte ich doch Respekt.

7. Etappe 

Und langsam drehte der Wind genau gegen uns, sodass kreuzen keine Option mehr war aus Zeitgründen. Also die Maschine angeworfen und auf direktem Kurs nach La Coruna.

Im Laufe der nächsten anderthalb Tage wurde dann das Wetter immer schlechter, weil unser Fenster nicht ganz gereicht hat. Davon gibt es keine Fotos, denn bei 7-8 Beaufort und 3m Welle bin ich nicht zum Fotografieren gekommen.

Endlich lagen wir nach diesem heftigen Ritt in La Coruna, wo ich wieder Crew-Wechsel hatte. Mein Schwesterschiff Lissy III – mit dem ich seit Rügen parallel gefahren war – kam einige Stunden nach uns an. Die hatten noch mehr motort als ich und kamen mit dem letzten Sprit an.

Dann war erst mal Schiff trocknen angesagt. wir hatten bei dem Biskaya-Ritt leider viel Wasser in die Bilge bekommen. Die Ursachenforschung brachte uns nicht wirklich viel weiter, sodass das Thema mich noch eine ganze Weile begleiten würde.

Das Gute dieses Zwischenstopps ist: Ab jetzt wird es endlich jeden Tag wärmer – die Zeit der langen Unterwäsche, des dicken Pullovers und des schweren Ölzeugs geht dem Ende entgegen.

Wie es dann nach Gran Canaria und in die Karibik weiterging, kommt dann im nächsten Post.

So stay tuned!

Die nächste große Reise fängt mit kleinen Schritten an

Seit dem 10. Oktober bin ich wieder auf See. Wie fast jedes Jahr geht es wieder von Rügen bis Martinique.

Vorher waren aber noch andere reisen dran, über die ich diesmal später berichten werde. Ich hatte diesmal zwischen den Törns zuhause extrem wenig Zeit zum Schreiben, aber das kommt noch. Nur mal als Vorgeschmack: Im Frühsommer war ich vier Wochen auf den Azoren unterwegs – ein Revier dass ich jedem nur empfehlen kann..

Jetzt aber wieder in die Karibik. Los ging’s mit einer Woche auf Rügen, wo ich mich um die Hochseeausrüstung der “MOLA” kümmerte. Danach dann der Start Richtung Kiel. Von Rügen ging es an Gedser vorbei Richtung Fehmarn. Da mein Mast unter 20m ist, konnten wir „innendurch“ unter der Fehmarnsundbrücke durchfahren. Danach kommt dann auf dem Weg nach Kiel das große Schießgebiet der Bundesmarine, das normalerweise gesperrt ist. Ein Blick ins Internet zeigte aber, dass dort an unserem Passiertag Ruhe herrschte und wir durchfahren konnten, ohne erschossen oder versenkt zu werden.

In Kiel hatten wir dann noch ein kurzes Rendezvous mit einer Wartungsfirma, von der wir eine große 12 Personen Rettungsinsel frisch gewartet übernahmen, und dann ging es direkt weiter in den Nord-Ostsee-Kanal bis Brunsbüttel.

Hier sind man unser Schwesterschiff “Lizzy II”, dass die gesamte Reise parallel fahren wird, da mein Auftraggeber diesmal mit zwei Schiffen in die Karibik fährt. Ich werde trotzdem ein Auge auf sie haben, weil ich die “Lissy” nächstes Jahr im März aus der Karibik zurück fahren werde.

Über die Kanalfahrt gibt es nicht viel zu sagen. Beim ersten Mal ist es ja noch interessant, aber im Prinzip geht es eigentlich immer nur geradeaus unter Maschine, und links oder rechts schaut mal eine Kuh zu.

In Brunsbüttel übernachteten wir auf der Innenseite des Kanals in dem kleinen dafür gedachten Hafen.

Da saß dann der Skipper abends und brütete über dem zu erwartenden Wetter. Als INTERMAR-Netcontrol ist er es ja gewohnt, dafür allerlei Hilfsmittel zurate zu ziehen – das änderte aber auch nichts daran, dass für die Zeit nach den nächsten 48 Stunden übles Wetter zu erwarten war, auch wenn man das im Moment noch nicht sah.

Am nächsten Morgen schleusten wir dann aus.

Wenn man dann auf die Elbe hinaus kommt, sieht das schon fast wie Meer aus, so breit ist sie da schon.

Vorher zeige ich Euch aber noch die nach mir benannte Luxusyacht, die in Brunsbüttel vor der Schleuse liegt Be right back

Der Sturm stand ja nun bevor. Wir entschlossen uns deshalb, an Cuxhaven, Helgoland und den Ostfriesischen Inseln vorbei zu rauschen und direkt bis nach den Helder weiterzufahren. Und wie vorhergesagt, fing es danach auch an heftig zu „kacheln“. Ich habe deshalb unseren Crew-Wechsel von den Helder nach Amsterdam verlegt. Vorher hatten wir noch Zeit, in den Helder das niederländische Marinemuseum   zu besuchen, was ich fast jedes mal dort mache. Kann ich nur jedem Schifffahrtsinteressierten sehr empfehlen. Man sieht nicht nur viel über die heutige Marine, sondern auch viel über die grandiose Geschichte der Holländer als Weltmacht.

Bevor es weiterging, mussten wir allerdings noch reichlich Wasser aus dem Schiff holen. Durch eine unglückliche Verkettung von Kleinigkeiten lief Wasser aus dem Ankerkasten bis in die Salonbilge, sodass unser Gemüse nass wurde.

Wie vorhergesagt, fing es danach auch an heftig zu „kacheln“. Ich habe deshalb unseren Crew-Wechsel von den Helder nach Amsterdam verlegt und wir sind am Freitag sehr schön mit achterlichen Winden durchs Wattenmeer und die Schleuse den Oever ins Ijsselmeer gefahren.

Dann ging es quer durchs Ijsselmeer und die Schleusen von Enkhuizen und die Oranjesluis direkt in den Sixhaven im Stadtzentrum von Amsterdam. Diese – immer knackvolle – Hafen liegt ideal: Auf der anderen Flussseite direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, wohin mit mit einer kostenlosen Flussfähre kommt.

Am nächsten Tag motorten wir durch den Nordzeekanal nach Ijmuiden, wo es wieder hinaus auf die Nordsee ging.
Und da wiederholte sich dann die Geschichte der Vorwoche: Vom Westen zog ein gewaltiges Sturmtief heran, das auf unserem Kurs Böen bis 50 Knoten brachte. Also wieder zwei Nächte durchsegeln und sich dann verkriechen.

Die Strecke längs der belgischen und französischen Kanalküste ist navigatorisch relativ anspruchsvoll. Viele Sände liegen im Weg, denen man entweder ausweichen muss oder sie bei passender Tide und richtiger Stromrichtung passieren kann. Hinzu kommt dann noch die spannende Durchquerung der Zufahrt von Rotterdam, dem größten Hafen Europas, wie immer bei mir mitten in der Nacht.

Wir sind dann durchgefahren bis Dieppe in der Normandie, wo wir den Durchzug des Sturmtiefs abgewartet haben, bevor wir vorgestern Mittag nach Cherbourg aufgebrochen sind.

Im großen Yachthafen von Cherbourg liege ich nun und schreibe diese Zeilen. Heute Nacht um elf Uhr geht es mit neuer Crew weiter nach Guernsey, und von dort direkt durch den Kanal und die Biskaya nach La Coruna, wo ich dann hoffentlich den nächsten Bericht schreiben kann.

Bis dahin wie immer: Stay tuned!

Freie Plätze auf Traumreisen im Herbst

Letztes Jahr fiel die Reise ja aus, aber in diesem Herbst werde ich wieder – jetzt zum sechsten Mal – über den Atlantik segeln.

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Normalerweise ist der Atlantiktörn mit der Atlantic Ralley for Cruisers ein Jahr vorher ausverkauft. So auch dieses Jahr, obwohl wir diesmal sogar mit zwei Booten fahren! Allerdings hat ein Ehepaar gerade absagen müssen, sodass es eine erfreuliche Nachricht gibt:

Für die ARC 2021 gibt es wieder zwei freie Plätze!

Start in Las Palmas auf Gran Canaria ist am 21. November 2021. Nähere Infos gibt’s bei segelwolf[ät]gmx.de.

Wer nicht so lange Zeit hat, der hat vielleicht Lust, mich auf einer derZubringer-Etappen zu begleiten, auf denen noch freie Plätze vorhanden sind. Folgende Etappen (oder Kombinationen daraus) sind möglich:

09.10. – 16.10. Rügen – den Helder
16.10. – 23.10. den Helder – Cherbourg
23.10. – 30.10. Cherbourg – La Coruna
30.10. – 13.11. La Coruna – Las Palmas de Gran Canaria

Auch gibt’s alle Infos bei segelwolf[ät]gmx.de.

Gerade diese Etappen sind seglerisch hochinteressant, wenn man sich fortbilden will: Tidennavigation mit Gezeitenunterschieden von 10 Metern oder mehr, Ströme bis 6 Knoten, Großschifffanrt von rechts und links, alles, was das segeln interessant macht.

Zum Schluss: Ich schulde Euch noch meinen Bericht über meine Inseltörns auf den Azoren. In den letzten Wochen war ich aber hauptsächlich auf der Ostsee unterwegs und habe viel Führerscheinausbildung gemacht. Da bin ich von morgens bis nachts beschäftigt und hatte keine Zeit zum Schreiben. Ich verspreche Euch aber, dass das demnächst nachgeholt wird.

Bis dahin: stay tuned!

Euer Segelwolf

Mitsegeln auf den Azoren

Nach der großen Atlantiküberquerung war ich nur drei Tage zum Wäschewechseln zuhause, und jetzt bin ich schon wieder auf den Azoren unterwegs, eins meiner absoluten Lieblingsreviere.

Coronatechnisch sind die hier super organisiert. Natürlich muss man für die Einreise einen PCR-Test nachweisen, aber das ist ja mittlerweile weltweit so. Dann wird man hier nochmals kostenlos am 6. Tag getestet, dazu wird man sogar telefonisch eingeladen! Ansonsten funktioniert alles. Die Restaurants sind offen, die Hotels auch.

Für die Wochentörns ab 06.06.21 und 13.06.21 ab Horta sind noch einzelne Kojen frei. Wer allein anreist, bekommt ohne Aufpreis eine Einzelkabine und die Bordkasse ist auch kostengünstig geregelt.

Also wer kurzfristig Lust und Zeit hat, der melde sich bei mir auf segelwolf at gmx.de.

Vielleicht finde ich ja auch jetzt Zeit, noch über den Rest des großen Törns zu schreiben, was bisher – siehe oben – einfach nicht drin war. Zu berichten gäbe es schon noch was.

So stay tuned!

Die Insieme auf dem Weg nach Hause

Bild und Ton können wir von der Hohen See nicht schicken, aber hier kommt
wenigstens ein kurzer Bericht, wie es uns denn so ergeht. 



Die erste Woche war richtig anstrengend. Ganz viel Wind und immer von vorn ist
mühsam für Schiff und Crew. Als wir dann bei den Antillen ankamen, packte uns
dann im Gegensatz dazu eine Flaute. Deshalb haben wir auf North Caicos nochmal
einen Tankstopp eingelegt. Schade, das wegen Covid 19 und aus Zeitgründen nicht
mehr möglich war, die Caicos-Inseln sind wunderschön. Ich habe auch selten ein
so klares Wasser gesehen. Wir kamen um Mitternacht an, legten uns zum Schlafen
an einen einsamen Steg und fuhren morgens um acht zur Tankstelle. Nach einigem
Verhandeln bekamen wir auch unseren Diesel, durften aber das Boot nicht
verlassen – nicht mal zum Bezahlen. Der Tankwart nahm unser Geld und fuhr mit
seinem Golf Cart zum Clubhaus wegen der Quittung.
Seitdem sind wir auf dem großen Atlantik unterwegs. Die Generalrichtung hieß
wochenlang Nordost, um aus den Passatwinden und der anschließenden Flautenzone
herauszukommen. Erst  am 28.04., konnten wir endlich nach Osten eindrehen
und Richtung Azoren und Europa fahren.
Inzwischen haben wir über 3.700 Seemeilen hinter uns, das ist schon viel weiter als
die ARC von Gran Canaria nach St. Lucia. Und wir haben immer noch rund 1.400 Meilen vor uns.
Das Bordleben ist jetzt größtenteils Routine: Wache gehen, schlafen, kochen,
essen, und dann wieder von vorn. Wir versuchen uns laufend am Angeln, aber außer
größeren Tangbüscheln haben wir noch nichts gefangen. Highlight des Tages ist
immer die nachmittägliche Skipperbesprechung. Da gibt es alle Neuigkeiten für
die Crew: Das Wetter, der Kurs für den kommenden Tag, was an Bord zu beachten
ist, und vor allem das tägliche Etmal, d.h. wie viele Seemeilen haben wir in den
letzten 24 Stunden zurückgelegt.


Im Moment riecht es gerade wieder lecker. Wie jeden zweiten Tag hat der Skipper
Brot gebacken. Frisches Brot zum Frühstück – und die Crew haut rein wie Bolle.
Ansonsten wird unser tägliches Menü langsam immer eintöniger. Alles frische
Gemüse, Fleisch und das meiste Obst sind inzwischen alle. Die nächsten Wochen
werden wir uns deshalb hauptsächlich aus der Dose ernähren. Aber auch das kann
spannend sein: Bei uns herrscht zwischen den Bordköchen ein ziemlicher
Wettbewerb um das kreativste, was man aus diesen Dosen machen kann!
Neulich erwarteten wir zum ersten Mal seit der Karibik heftigen Wind, der
sich durchaus zum Sturm auswachsen kann. Deshalb bereiteten wir das Schiff gut
vor, damit uns nichts passieren kann. Dazu gehört unter anderem auch eine sog. “Notrolle”,
damit im Ernstfall jeder genau weiß, was er zu tun hat.

Zwischendurch war dann immer mal wieder herrlichstes Spinnakersegeln
angesagt. Leider aber nicht so oft, wie ich es gerne gewollt hätte. Da wir ja
aus Windgründen sehr viel weiter im Norden unterwegs sind als wenn man
den Atlantik andersherum überquert, ist das Wetter doch meistens deutlich
rauher. Vor allem fährt man viel, viel mehr am Wind und die wochenlange
Schräglage geht einem irgendwann dann doch langsam auf den Geist.

Entschädigt wird man aber immer wieder durch spektakuläre Sonnenauf-
und Untergänge, so wie diesen hier.

Als nächstes kommt jetzt ein ganz kurzer Zwischenstopp in Horta auf den
Azoren. Wir haben leider einen Kranken an Bord, der dort aussteigen und
sich behandeln lassen muss. Dann kommen nochmal ca. 1.300 Seemeilen
bis Almerimar im Mittelmeer und dann gibt’s die nächsten Neuigkeiten
vom Segelwolf.

So stay tuned!


Vor der großen Reise

Mit drei Mann Crew waren wir über Amsterdam nach Panama City geflogen, um in Panama die INSIEME zu übernehmen. Die Eigner haben sie uns anvertraut, um das Schiff nach Europa zu überführen.

Die INSIEME ist eine sehr gut ausgestattete Bavaria Vision Forty Six mit allen Annehmlichkeiten für die Langfahrt: Generator, Wassermacher, Solarpanels, Windgenerator usw. Dazu haben die Eigner sehr viel Geld und Arbeit in ein komplett neues Elektriksystem gesteckt, das geradezu vorbildlich ist. Davon könnte sich Bavaria eine Scheibe abschneiden.

Ich habe einen vollen Tag gebraucht, das Schiff zu übernehmen, soviel an Besonderheiten gab es zu beachten. Jetzt bin ich nur noch gespannt, wie die Dame segelt.

Wir hatten schon vor der Anreise in mehreren Zoomkonferenzen alle wichtigen Details geklärt, vor allem die Essensplanung für so eine lange Reise. Unser Theo hatte alle geplanten Rezepte sozusagen in eine “Stückliste” verwandelt und mit Preis, Gewicht und deutschem und spanischen Namen in eine Einkaufsliste verwandelt. Mit dieser Liste bewaffnet, stürmten wir dann den größten Supermarkt von Colón.


Leider war das meiste schon gestaut, als ich dazu kam Fotos zu machen. Unter Deck sah es da noch ziemlich wüst aus. Eine solche Menge an Lebensmitteln zu verstauen ist nicht ganz einfach. Ohne unseren “Storemaster” Volker, der akribisch das Verbleiben jeder Flasche Ketchup dokumentiert hat, würden wir auf See Probleme haben, alles wiederzufinden. Zu den Lebensmitteln kamen dann noch größere Mengen gekauftes Trinkwasser hinzu, weil wir uns natürlich nicht allein auf den Wassermacher verlassen – der könnte ja auch mal kaputt gehen – auch das habe ich auf dem Atlantik schon erlebt.

Die Eigner Markus und Julia flogen dann heim, nach einem sehr bewegenden Abschied. Es ist sicher nicht leicht, eine solche fast zweijährige Lebensphase auf dem Boot zu beenden und dann noch sein “Baby” einem Fremden an die Hand zu geben. Jedenfalls werden wir alle froh sein, wenn ich das Boot im Mai in Almerimar an die beiden zurückgebe.

Danach kam dann noch unser vierter Mann und wir waren vollzählig.

Die INSIEME hat nur zwei Kabinen, ist also ein reines Eignerschiff. Bei einer Charteryacht wären auf gleicher Größe vier Kabinen und drei Toiletten untergebracht. Man kann auch mit weniger Leuten über den Atlantik fahren. Da die West-Ost-Route um diese Jahreszeit aber nicht ohne ist, sind wir zu Viert, das ermöglicht ein weniger anstrengendes Wachsystem.

Geplant ist nur ein Stopp auf Kuba, eventuell entscheiden wir uns aber auch, die gesamte Strecke bis ins Mittelmeer in einem Stück durchzusegeln. (Wie sagte schon Goethe: Nur die Harten kommen in den GartenWinking smile

Unterwegs werde ich nicht bloggen können. Aber hier folgt nochmal der Link, mit dem Ihr unsere Reise verfolgen könnt:

Track der SY INSIEME mit dem Segelwolf

So wie es aussieht, sind wir am Sonntag so weit, dass wir losfahren können. Wünscht uns eine sichere Überfahrt. wenn ich zurück bin, habe ich sicher einiges zu berichten.

Und zum Schluss noch, wie gewohnt, der Hinweis auf meine nächsten Törns, auf denen noch Plätze frei sind:

Azorentörns im Juni:

30.05. –  06.06. Terceira – Terceira
06.06. – 13.06. Terceira – Horta
13.06. – 20.06. Horta – Horta

Die Azoren sind wunderschön – kommt mit!

Ach ja, ich erinnere auch daran, dass Mola dieses Jahr zwei Schiffe über den Atlantik schickt, deshalb gibt es wieder einige wenige freie Plätze auf der Atlantic Rally for Cruisers von Gran Canaria nach St. Lucia, die ich auch in diesem Jahr wieder fahren werde.

Wollt Ihr dieses Jahr zu anderen Zeiten fahren, sprecht mich einfach an. Ich sage dann kurzfristig, ob es noch Mitsegelmöglichkeiten gibt. Wie immer erreicht Ihr mich unter segelwolf (ät) gmx.de.

Es gibt endlich wieder neues vom Segenwolf.

So stay tuned!

,,,

Morgen geht es los–und so könnt Ihr den Segelwolf verfolgen

Es gibt unheimlich viel zu tun an den letzten ein, zwei Tagen vor der Abfahrt. Ich weiß nicht, ob ich heute Nacht noch dazu komme, das zu schreiben, was ich eigentlich vor dem Start wollte. Deshalb gibt es heute nur einen ganz kleinen Post, der nur eins enthält, nämlich

den Link des Trackers, der meine aktuelle Position zeigt

wir haben einen Iridium-Tracker an Bord, der alle Stunde unsere Position sendet.

Morgen Abend deutscher Zeit geht es los. Nächster Stopp: Ein Wiedersehen mit Santiago de Cuba – auch wenn ich glaube, dass es ein trauriges Wiedersehen wird. Wir müssen wegen dieses blöden Virus sehr vorsichtig sein –  und alle Musikkneipen sind mit Sicherheit sowieso geschlossen.

Ich melde mich wieder, sobald es geht. Günstigstenfalls aus Cuba, vielleicht aber auch erst, wenn wir den großen Teich überquert haben und in Spanien angekommen sind.

So stay tuned”