Karibik – abseits der ausgetretenen Pfade

Im Januar / Februar war ich in der Karibik unterwegs. Über das Segeln gibt es nicht soo viel zu berichten, aber über einige interessante Gegenden gibt es doch ein wenig zu berichten. Manches, was wir gesehen haben, hat uns so beeindruckt, dass wir gerne nochmal hinfahren wollen. Es gibt aber auch in der Karibik Ländern, die es einem schwer machen, sie zu mögen.

Gestartet sind wir in Sint Maarten, der Insel, die sonst für viele nicht der Startpunkt, sondern der Endpunkt ist. Meistens kommt man dann von Saint Lucia oder Martinique und anschließend über Guadeloupe.

Wir wollten aber diesmal in die andere Richtung, das heißt es ging zwei Wochen fast ausschließlich nach Westen.

Vorm Auslaufen bin ich beinahe noch im Karibenknast gelandet, weil es ein Problem mit dem Ausklarieren gab. Da merkt man, wie gut es uns in Europa geht, wo diese Schranken ja kaum  noch existieren. Nach einer durchsegelten Nacht kamen wir am nächsten Tag in den British Virgin Islands an. Das ist nun wirklich, wie “Klein Fritzchen” sich die  Karibik vorstellt. Wunderschöne bewaldete Inseln und Strände, wie sie schöner kaum sein können.

 

Ein Inselchen hatte es uns besonders angetan, weil es in den entsprechenden Reiseführern ziemlich berühmt ist: Sandy Spit. Ein winziges Inselchen, bestehend ausschließlich aus blendend weißem Sand und darauf nichts als zwei Palmen. Logischerweise eines der beliebtesten Fotomotive der Karibik.

Ihr fragt Euch, wo denn die zwei Palmen sind? Leider hat der letzte Hurrican sie abgeholzt. Man hat zwar wieder neue gepflanzt, aber die sind gerade mal weniger als einen halben Meter hoch. Trotzdem ist es ein wunderschöner Ausflug, das Mini-Inselchen mit dem Schlauchboot zu erkunden. Da oben hinten in der Mitte ankert unser Schiff. Man muss da schon gut aufpassen – mit einem Katamaran mit weniger Tiefgang kann man fast überall viel dichter heranfahren.

Aber auch dies Paradies sieht nur auf den ersten Blick aus wie ein Paradies. Schaut man genauer hin, findet man zum Beispiel das

oder das

Im Jahr 2017 führten die Hurrikans Irma und Maria zu katastrophalen Zerstörungen, von denen sich die Inseln immer noch nicht erholt haben. Der Tourismus – selbst der Segeltourismus – kommen nur sehr langsam wieder in Gang. Viele Marinas und viele Sehenswürdigkeiten sind immer noch nicht wieder restauriert oder wiederaufgebaut. Ich fuhr auf der BVI-Insel St. Peter mit dem Taxi und hörte im Radio eine Parlamentsdebatte. Das große Problem, mit dem sich das Parlament beschäftigte, war der riesige Mangel an Arbeitskräften. Fehlende Bauarbeiter sind mit Abstand das größte Hindernis für den Wiederaufbau. Denn selbst, wenn aus den verschiedensten Quellen genug Geld für den Aufbau da ist – wenn niemand da ist, der die Arbeit leisten kann, läuft halt nix. Natürlich kann man  Arbeiter aus dem Ausland importieren, genügend bieten sich schon an. Aber wie wird man die auf so einer kleinen Insel nach dem Wiederaufbau wieder los? Schließlich leben auf den Inseln nur 28.000 Menschen – und sehr viel mehr Platz ist auch nicht.

Man muss sich das einmal vorstellen: Die Schäden durch die beiden Stürme betrugen auf diesen kleinen Inseln ca. 3,6 Mrd. Dollar – das entspricht etwa dem vierfachen des Bruttoinlandsproduktes! Es versteht sich von selbst, dass der Wiederaufbau allerhöchste Priorität hat, schließlich hängt fast die gesamte Wirtschaft vom Tourismus acht. Ob Ihr’s glaubt oder nicht: Der größte Wirtschaftszweig der BVI ist das Verchartern von Yachten!

Es sind noch lange nicht alle Charterflotten in alter Stärke vorhanden – unser Vorteil, dass es überall noch einigermaßen leer war. Deshalb sahen wir solche Bilder wie diese:

Leider hatten wir für dieses wunderschöne Fleckchen Erde viel zu wenig Zeit, da wir ja noch fast 800 Seemeilen vor uns hatten. Für ein Bad im Meer reichte die Zeit aber schon noch. Normalerweise findet man auf meinem Blog ja nie Bilder der Crew, damit ich keinen Ärger wegen der Persönlichkeitsrechte bekomme, aber bei diesem Foto kann man ja wohl mal eine Ausnahme machen.

Danach machten wir uns auf die Socken und segelten durch die Nacht weiter nach Westen, Richtung Hispaniola und der Dominikanischen Republik. Ich glaube, man sieht mir an, dass ich gern noch da geblieben wäre, oder?

Es ging dann zügig weiter Richtung Westen. Erst einmal ließen wir die US Jungferninseln rechts liegen (Für das US-Amerikanische Visa-Gedöns hatten wir alle keinen Nerv) und auch an Puerto Rico (gleiches Thema) und fuhren in die Dominikanische Republik, nach Boca Chica. Das ist eine Marina in der Nähe der Hauptstadt.

Santo Domingo ist segelmäßig nichts außergewöhnliches. Es hält sich aber wohl dafür. Einen anderen Grund kann ich mir jedenfalls nicht dafür vorstellen, dass dieses Land die für bisher kompliziertesten Ein- und Ausreiseprozeduren für Segler hat, die ich jemals erlebt habe. Selbst mein Besuch per Yacht in Russland war einfacher und auch preiswerter. Man muss sich mal vorstellen,dass allein das Ein- und Ausklarieren für uns 320 Dollar für einen Aufenthalt von gut 36 Stunden gekostet hat – und da sind noch nicht mal die Liegeplatzgebühren enthalten.

Die Marina ist nichts besonderes – nur die Aufbewahrungsmethode für kleinere Boote dürfte wohl kaum einem Wirbelsturm standhalten, oder?

 

Abends bretterten dann die Einheimischen entweder auf ihren Wassermotorrädern oder ihren kleinen Kajütbooten bei uns mit voll aufgedrehtem Lautsprecher vorbei und veranstalteten in der Laguna Party. So einen Lärm waren wir nicht mehr gewöhntAnnoyed

Wenigstens haben wir auf Empfehlung meines Bruders (der dort teilweise lebt) ein schönes Strandrestaurant gefunden, das auch auch ganz kuschelig beleuchtet war.

Eine faszinierende Stadt ist Santo Domingo, die Hauptstadt der Dominikanischen Republik und die älteste Stadt in den westindischen Inseln. Gegründet vom Bruder des Christoph Columbus ist sie heute eine riesige Agglomeration von fast vier Millionen Einwohnern. Wir hatten einige Stunden Zeit, ein bisschen die Altstadt zu erkunden. Mich hat da nicht so sehr die Architektur interessiert (sehr viel ganz altes sahen wir nicht, das mag den vielen Wirbelstürmen geschuldet sein), die Menschen sind es, die eine Stadt liebenswert machen. MAn sieht viele Kinder, und überall gibt es Musik auf der Straße, und das nicht für die Touristen, sondern die Leute machen das für sich, weil sie Spaß daran haben. Dasselbe sah man z.B. später auch auf Cuba (und übrigens nicht auf Jamaica, was uns sehr enttäuscht hat).

So ein paar Impressionen der Stadt wollte ich Euch aber doch nicht vorenthalten, wie zum Beispiel diese Figuren, die überall in der Fußgängerzone herumstanden

Es gab schöne alte Häuser…

und schöne neuere Häuser…

Aber im großen und ganzen waren wir dann doch froh, wieder auf See zu sein und neuen Ufern entgegenzufahren.

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Wie es dann weiterging, erfahrt Ihr im übernächsten Post.

So stay tuned!

Wieder über den Atlantik

Mein letzter Post ist schon ein bisschen her – aber wenn man drei Monate auf See war, stauen sich halt zuhause viele Dinge an, die erledigt werden müssen, und das hatte nun mal Vorrang.

Der geneigte Leser erinnert sich: Er hat mich verlassen, als ich gerade nach dem doch heftigen Ritt über Nordsee, Kanal und Biskaya das Schiff wieder in Ordnung brachte und für die Atlantiküberquerung vorbereitete. Dafür stand mir eine Woche zur Verfügung. Wozu musste diese Woche noch dienen?

  • sicherheitstechnische Abnahme durch den Inspektor der  ARC Atlantic Rally for Cruisers
  • kleinere Reparaturen
  • zusätzliche Montage von Solarpanels zur Stromerzeugung auf dem Atlantik
  • Integration aller Crewmitglieder um ein Team zu schaffen.

Gerade zu dem letzten Punkt ist die Organisation der ARC Atlantic Rally for Cruisers recht hilfreich, unter anderem durch die Organisation eines Kostümfests, das in diesem Jahr unter dem Motto “Unterwasser-Kreaturen” stand. Unsere Crew lief dort in voller Mannschaftsstärke auf.

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Dazu gehört auch die Parade aller beteiligten Nationen – in diesem Jahr waren es 38 – durch den Hafen, die immer viele Zuschauer anzieht.

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Zwischendurch sitze ich natürlich herum und muss vielerlei planen: Wer nimmt an welchen Vorbereitungsseminar teil, wie teile ich die Kabinen und die Wachen auf, Proviantplanung und vielerlei mehr.

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Dann wieder ARC-Veranstaltungen wie z.B. das traditionelle Feuerwerk über der Marina, das immer viele Ooohs und Aaaahs hervorruft. Dazwischen dann immer wieder Kontakte mit anderen Schiffen, die sich auf die Rally vorbereiten, so z.B. mit einer sehr netten Familie aus der Gegend von Wiesbaden mit einer Halberg Rassy, aber dazu später mehr.

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Was ein bisschen nervig sein kann, sind die unzähligen “Anhalter”, die durch den Hafen schleichen und eine Mitfahrgelegenheit in die Karibik suchen. Die zurückhaltenderen pflastern nur den Hafen mit ihren Mitfahrgesuchen, wie diese hier:

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Eine der komplexesten Sachen bei so einem Blauwassertörn ist die Proviantplanung. Auch nach mehreren Langtörns lerne ich da immer noch dazu. Auf jeden Fall ist es ganz erstaunlich, was für abenteuerliche Mengen man bei einer so großen Crew einkaufen und an Bord verstauen muss. Bis auf einige Hinweise bei der Planung habe ich das die Crew allein machen lassen, wobei wir vorher eine Delegation zum Seminar Verpflegungsplanung geschickt hatten.  Die Getränke konnte man über eine Liste bestellen, die dann separat angeliefert wurde – Gottseidank, denn über dreihundert Lieter Wasser in Flaschen wollten wir nicht durch die halbe Stadt schleppen.

Was ziemlich viel Arbeit macht, ist der Haupteinkauf im Supermarkt, wie man sieht.

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Der November ist Ausnahmezustand in den Supermärkten von Las Palmas, aber so einen Kassenbon sieht auch die Kassiererin nicht aller Tage…

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Wie das alles verstaut wird, lässt sich praktisch nicht fotografieren, deshalb hier nur ein kleiner Ausschnitt aus unserer Stau-Arbeit.

 

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Auf so einem Schiff ist zwar viel mehr Platz als man glaubt, also war es überhaupt kein Problem, diese Mengen unterzubringen. Allerdings muss man das ganze auf viele, viele Staufächern an allen möglichen Ecken und Enden unterbringen. Also hilft es nichts: Man muss einen Staumeister ernennen, der sich darum kümmert, wo alles verstaut ist, damit man es wiederfindet, wenn man es braucht. Das führt dann – je nach Crew – zu teilweise abenteuerlichen Stauplänen, die aber notwendig sind.  Und so hing dieser Plan dann auch vier Wochen lang an der Wand:

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Aber nach all diesen Vorbereitungen kam dann endlich der Tag des Starts. Am Morgen war noch alles friedlich und still.

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Aber am späten Vormittag machten sich dann so langsam alle zweihundertvierzig Schiffe auf den Weg zur Startlinie. Für alle, die dabei sind und auch für die Massen von Zuschauern, die den Hafen bevölkern.

Auch unsere Stegnachbarn, die “ Mad Monkeys”, machten sich auf den Weg in die Karibik:

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So langsam brachen wir alle auf, um in einer nicht enden wollenden Kiellinie den Hafen zu verlassen. Die Musik, die Verabschiedung per Lautsprecher und die Kaimauern, die schwarz von  Menschen sind, schaffen ein bleibendes Erlebnis.

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Für den Skipper und Rudergänger waren das anstrengende Momente. Das fehlte noch, dass man kurz vom dem Start in diesem Gedränge noch  mit jemand zusammenrasselte. Aber sobald man dann draußen auf dem Atlantik ist, wird es besser – wenn auch alles die kreuz und die quer fährt um zum richtigen Zeitpunkt um Punkt 13 Uhr die Startlinie zu überqueren.

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Aber wenn dann die Startlinie überquert ist und wir auch dem Weg sind, kehrt langsam Ruhe ein. Ab jetzt geht es ja drei Wochen immer geradeaus…

Jetzt zu Beginn sind noch alle dicht beisammen. Es dauert aber kaum zwei, drei Tage, dann sieht man niemand mehr, es verteilt sich sehr schnell alles sehr auf dem weiten Atlantik.

Und dieser Atlantik empfängt uns zunächst mit herrlichem Segelwetter. Diese Armada mit bunten Segeln ist ein beeindruckender Anblick.

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Der Abend naht, und für den Skipper wird es Zeit, den ersten Wachplan für die Crew vorzulegen. Da wir ausreichend Leute sind, habe ich den Vorteil, mich wachfrei stellen zu können. Auf den bisherigen Etappen meiner Reise war das ja anders. Ich musste mangels ausreichend Crew selbst mit Wache gehen, und war natürlich als Skipper auch außerhalb meiner eigenen Wachzeit laufend an Deck. So bildete ich vier Wachen a zwei Personen und blieb selbst frei, immer dann auszuhelfen und an Deck zu sein, wenn es notwendig war.

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So segelten wir dann in unsere erste Nacht auf See, der noch viele weitere folgen sollten.

Aber das schildere ich in der nächsten Folge.

So stay tuned.

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Endlich angekommen!

Nach 1.309 Seemeilen heftigen Hochseesegelns auf dem Atlantik sind wir heute Nacht um ein Uhr von den Azoren kommend bei Windstärke 6 und strömendem Regen den ganzen Tag endlich in Brest in der Bretagne angekommen. Dann erst einmal ausgeschlafen bis elf Uhr und jetzt geht’s uns wieder gut!

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Wir hatten teilweise schon ziemlich übles Wetter, da uns im letzten Drittel der Strecke, d.h. am Ausgang der Biskaya, die Ausläufer einer anständigen Sturmtiefs erwischten, die uns bis 8 Bft. Wind und eine Wellenhöhe von bis zu fünf Metern brachten. Eine stramme Leistung für so ein kleines Schiffchen von 35 Fuß!

Leider ist uns bei einem Reffmanöver bei ziemlich viel Wind das Großsegel gerissen, sodass wir ab dann nur noch im zweiten Reff fahren konnten. Hat aber kaum gestört, da wir bei dem Wind das sowieso eingebunden hätten Bin gleich zurück.

Zum ersten Mal seit langem also mal wieder an Land gegessen. Da musste es natürlich der Maxiburger mit der doppelten Fleischportion sein.

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… und noch einen Käsekuchen mit Karamelsauce hinterher, dann ging’s mir wieder gut!

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Viel berichten werde ich leider nicht können über dies Teilstück. Bei nur drei Mann Crew und viel schlechtem Wetter gibt es naturgemäß s gut wie keine Fotos. Aber es kommt ja auch noch der letzte Teilbericht von den Azoren.

Morgen wird erst einmal das Segel repariert und das Schiff aufgeräumt, neue Verbraucherbatterien muss ich auch noch einbauen, und dann geht es weiter durch den Énglischen Kanal bis nach Kiel.

So stay tuned!