Lange gab’s nix vom Segelwolf

Es stimmt: Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich so lange nichts von mir habe hören lassen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht segelnd unterwegs war. Im Gegenteil: Im zweiten Halbjahr 2014 war ich viel mehr unterwegs als im ersten – und das war genau ein Teil des Problems:

  • Viel segeln gab viel Arbeit. Also habe ich wenig fotografiert – und ein Blog ohne Bilder ist langweilig
  • Dann war ich ewig lang mit Computerproblemen geschlagen – beim ersten Mal hatte ich mir ja nur die Tastatur meines Laptops ruiniert, das war ja noch relativ einfach zu reparieren. Beim nächsten Törn hat das (ich Blödmann!) wieder von mir an Bord über den Rechner gegossene Wasser dann die Hauptplatine gehimmelt. Also war ich den Rest der Reise ohne eigenen Laptop und durfte mir dann einen neuen kaufen
  • Ja, und als ich wieder zuhause war, hat mich natürlich sofort der Alltag mit Firma und Haus und Hund eingeholt und vom bloggen abgehalten. Aber: Ich gelobe Besserung.

Mangels Material also der Bericht über meine Reisen sozusagen im Schnelldurchgang.

Mit der MERENNEITO von Neustadt nach La Coruna

Wie ja in meinem letzten Blog angekündigt (lang ist’s her…), übernahm ich Mitte September die Merenneito, um sie von Neustadt in Holstein nach La Coruna an der nordspanischen Küste zu fahren. Für mich besonders schön: Die ersten Tage durch die Ostsee und den Nordostseekanal fuhr meine Frau mit, was selten genug vorkommt.

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Es ging gleich richtig los: Von Neustadt die Ostsee hoch nach Norden bis zur Fehmarnbeltbrücke mussten wir richtig gegenan bolzen. Dadurch waren so spät, dass wir das geplante Etappenziel Heiligenhafen nicht erreichten. Wir wollten dann zu unserem Alternativziel Großenbrode laufen, aber auch da erwischte uns schon die Dunkelheit. Jetzt weiß ich auch, dass die Ansteuerung eng ist, es neben dem Fahrwasser sofort flach wird und die Tonnen nicht beleuchtet sind Vor Wut kochen. Zu allem Überfluss stellten wir dann auch noch fest, dass unser schönes Boot zu dickbäuchig für die Liegeplätze war: Wir blieben zwischen zwei Dalben stecken. Schließlich fanden wir dann doch noch einen Liegeplatz längsseits vor dem Kran. Abgesehen davon, dass wir am nächsten Morgen schnell wieder weg mussten, weil diverse Boote auf das Auskranen warteten, lagen wir dann letztendlich doch noch schön ruhig.

Am nächsten Morgen erwartete uns dann ein toller Segeltag: Viertel nach Neun ablegen, kurz danach Segel setzen und dann mit zwei Reffs im Groß und voller Genua mit Rauschefahrt raumschots zur Kieler Bucht! Nach weniger als acht Stunden hatten wir die gut fünfzig Meilen hinter uns und machten im Yachthafen Düsternbrook fest.

Am nächsten Tag ging es dann durch den Nordostseekanal. Für mich etwas neues – Ostsee und Nordsee kannte ich ja schon – aber die Verbindung war ich noch nicht gefahren (nur oben drüber – wenn es zu mir nach Hause nach Nordfriesland ging).

Man kreist vor der Kanaleinfahrt und wartet darauf, dass die Schleuse sich öffnet, alles herausfährt und wir Sportboote endlich einfahren dürfen. Vor den Schleusenkammern stehen große Masten mit Lichtsignalen, die uns angeben, wann die Einfahrt frei ist.

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Leider war die Schleuse gerade in die andere Richtung geöffnet. Wir mussten also warten, bis einige dicke Brocken durchgeschleust waren.

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Endlich war es dann soweit, dass wir in die riesige Schleusenkammer einlaufen konnten. In der Regel werden Sportboote nicht mit der Großschifffahrt zusammen geschleust –und das ist hier auch gut so!

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Das Schleusen selbst ging relativ schnell, die Höhendifferenz ist nicht allzu groß auf der Ostseeseite. Und dann ging es hinein in den Kanal. Die Fahrt ist sehr geruhsam und eigentlich langweilig, nur wenn einem ein großes Pott entgegenkommt, wirdes mal etwas interessanter.

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Übernachtet haben wir im Brunsbütteler Yachthafen. Der ist nicht auf der Elbe, sondern noch innen, im Kanal, kurz vor den Schleusen. Am nächsten Tag stieg dann Angelika hier aus und fuhr mit dem Bus wieder nach Hause.

Wir nahmen dann nach der Ausschleusung aus dem Kanal endlich die Nordsee in Angriff. Zunächst ging es elbabwärts, bevor wir dann nach dreieinhalb Stundenbei Cuxhaven in die Elbmündung heraus kamen. Windstärke vier und Strom von hinten ergab dann eine Rauschefahrt von zehn Knoten über Grund! Vor dem Wind ging es dann westwärts. Gegen fünf Uhr Nachmittags passierten wir die Wesermündung und segelten weiter in den Abend und die Nacht hinein. Der Törnplan war eng und wir wollten Zeitreserven schaffen. Also beschlossen wir die Nacht durchzufahren und nahmen uns als Ziel Terschelling in Holland vor.

Was nicht zu fotografieren war: Spät nachts kamen wir am Offshore Windpark Riffgat   vorbei. Diese Reihen von blinkenden Lichtern mitten im Wasser sind auf den ersten Blick schon beeindruckend,und nachts sollte man gebührenden Abstand halten.

Am nächsten Tag segelten wir bei wunderschönem Wetter dann ins Terschellinger Seegatt und waren schließlich um halb drei im Yachthafen Terschelling West. 187 Seemeilen am Stück und fast alles gesegelt. Nicht schlecht.

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Da war dann das letzte Stück von sechsundvierzig Meilen bis nach Den Helder nur noch eine bequeme Tagesetappe. Leider unter Motor, weil der Wind zwar stark aber aus der falschen Richtung war.

Damit ging die erste Etappe dieser Überführung zu Ende. Neben dem Abschiedsdinner in einem netten Hotel war das einzige Highlight von Den Helder  das holländische Marinemuseum inklusive eines leibhaftigen U—Boots. Interessanter war allerdings der alte Teil.

Die nächste Etappe sollte uns dann durch den englischen Kanal und die Biskaya führen. Aber davon mehr im nächsten Blog.

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