Packen für einen Hochsee-Törn – was man wirklich braucht (und was nicht)

-ein Erfahrungsbericht nach 14 Atlantiküberquerungen

Wer meinen Blog schon länger liest, hat sich vielleicht gewundert, warum es hier ein Jahr lang still war. Keine Sorge – mir geht’s gut, ich segle nach wie vor um die halbe Welt, aber ich war in den letzten zwölf Monaten mehr Programmierer und Organisator als Blogger – und habe nebenbei noch zweimal den Atlantik überquert.

Inzwischen veranstalte ich ja mit zwei Freunden einen Großteil unserer Törns selbst und ich habe das komplette Buchungs- und Verwaltungssystem für unsere Törns neu aufgebaut: von Google-Sheets-Automationen über Dokumentenerstellung bis hin zur Website. Und mit den neuen Angeboten, die ab Frühjahr 2026 dazukommen, war das auch nötig.

Wer sehen möchte, woran ich so fleißig geschraubt habe, findet hier die Übersicht aller aktuellen und kommenden Reisen.

Jetzt wird es aber wieder Zeit, den Blog mit Leben zu füllen. Und was wäre ein besserer Wiedereinstieg als ein Thema, das jede Crew betrifft – egal ob Atlantik, Azoren oder Karibik?

Es gibt Themen, die verfolgen einen als Skipper ein Leben lang.

Eines davon: das Packen für einen Törn.

Ich sehe es seit vielen Jahren, immer wieder, bei jeder Crew. Die meisten packen zu viel, das Falsche, und manchmal Dinge, die man an Bord nur mit Humor erträgt – oder gar nicht verstauen kann.

Dabei ist Packen eigentlich ganz einfach. Wenn man weiß, was man tut. Und wenn man die Realität an Bord berücksichtigt: enge Kojen, kleine Naßzerllen, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, begrenzter Stauraum – und dass das eigene Gepäck oft dort landet, wo gerade Platz ist: unter der Koje, auf der Koje, neben der Koje oder in der letzten freien Ecke am Schiff.

Nach 140.000 Seemeilen schreibe ich diesen Artikel in der Hoffnung, dass die nächsten Crews entspannter ankommen – und nicht mit Gepäck, das die halbe Koje sprengt.

Keine Koffer! Wirklich keine Koffer.

Ich beginne bewusst mit dem Wichtigsten.

Ein Hartschalenkoffer ist an Bord so nützlich wie ein Klavier bei einer Regatta.
Er lässt sich nicht falten, nicht verstauen und blockiert Platz, den wir schlicht nicht haben.

Bitte bringt faltbare Reisetaschen oder Seesäcke mit.
Die verschwinden nach dem Auspacken in einem Spalt, den wir dafür vorgesehen haben.
Der Koffer hingegen… bleibt im Weg. Immer.

Aus meiner Packanleitung wegen der vielen Nachfragen nochmal ganz deutlich:

Lege alles, was Du mitnehmen willst, auf einen Tisch – und nimm am Ende die Hälfte wieder weg.
Was übrig bleibt, reicht meistens völlig.


eine klassische Packliste für Hochseetörns kann da bei der Vorbereitung helfen.

Was wirklich in die Tasche gehört

Besonders auf unseren Karibiktörns wie T23, T24 oder T25 gilt die Devise: “Weniger ist mehr!”

Was brauchst du wirklich – und warum?

1. Bekleidung für draußen und drinnen
  • Shorts, T-Shirts, lange Hosen

  • Badeklamotten

  • Leichte Regenjacke (ja, auch in der Karibik)

  • Fleece oder leichter Pullover für die Nacht

  • Bootsschuhe oder Sportschuhe

  • Flipflops / Badelatschen

  • Sonnenbrille mit Band

  • Kopfbedeckung

In südlichen Breiten braucht niemand Gummistiefel. Wirklich niemand.
In Nordeuropa kann es anders aussehen, aber darüber reden wir dann im Briefing.

2. Die unverzichtbaren kleinen Dinge

  • Ohrstöpsel (Nachtschlaf ist heilig – auch auf See, besonders, wenn die Maschine läuft)

  • Rotes Stirnlampenlicht (nachts absolut nötig)

  • Sonnencreme LSF 30–50

  • Persönliche Medikamente

  • Mittel gegen Seekrankheit – rechtzeitig darüber nachdenken

  • Handtücher, am besten aus Mikrofaser

  • USB-Ladekabel für Handy & Co.

  • für viele gehört auch ein Tagebuch dazu

Und eine Kamera, falls Ihr solche Menschen seid, die tatsächlich fotografieren.
Ich selbst habe auf meiner 14. Atlantiküberquerung… vielleicht vier Fotos gemacht. Es passiert einfach nicht so viel Neues. Nicht wie bei der ersten Überquerung. Oder der dritten.

Aber das wird sich wieder ändern, wenn wir ab 2026 die exotischen Strecken fahren: Kuba, Caymans, Jamaica, Azoren. Da wird die Kamera wieder Sinn haben.


3. Dokumente

  • Ausweis oder Reisepass (je nach Route)

  • Kreditkarte

  • Auslandskrankenversicherung

  • Kopie der wichtigsten Dokumente

  • Seemeilenbuch, falls vorhanden

Mehr braucht es nicht. Kein dicker Ordner, keine Ausdrucke, kein Kugelschreiberarsenal.

Ankommen, Auspacken, Stauen – so läuft das an Bord wirklich

Hier wird oft unterschätzt, worauf es ankommt. Denn Packen ist das eine –
Stauen ist die eigentliche Kunst.

Der Storemaster

Ich ernenne auf jedem Törn jemanden zum „Storemaster“.
Der oder die weiß, wo was liegt. Auf einer Yacht wird chaotisch gestaut – das heißt:
es kommt dahin, wo gerade Platz ist. Unter Kojen, in kleinen Fächern, zwischen Segeln, in Luken.

Das funktioniert nur mit:

  • einer Liste

  • System

  • und jemandem, der den Überblick behält

  • Wenn der Storemaster weiß, wo die Tomaten sind, müssen nicht acht Leute gleichzeitig suchen.

Warum Pappkartons tabu sind

Das ist der Klassiker:

Pappe = Kakerlakenmagnet.
Das gilt für alles, auch für Bierdosentrays.

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Daher:

  • alles auf dem Steg auspacken

  • alles in Beutel oder Boxen umpacken

  • Etiketten von Dosen abziehen und mit Edding beschriften

Wenn ein Etikett später im Kühlschrank abfällt, weiß keiner mehr, ob das Gulasch oder Pfirsiche sind. Ich habe schon Überraschungsgerichte erlebt… nicht immer gute.


Kühlschrankorganisation

Ein Kühlschrank an Bord ist kein Schrank, sondern ein Kühlloch.
Man wirft Dinge rein – und sie verschwinden.

Wenn man nicht aufpasst.

Daher:

  • ein Korb fürs Frühstück

  • frische Kräuter separat

  • den Kühlschrank so voll wie möglich packen, dann behält er besser und stromsparender die Kälte

Das spart Zeit und die Nerven aller.


Obst, Gemüse, Eier

Das große Thema Natur auf See:

  • Alles Obst gründlich waschen (ungebetene Gäste!)

  • Weiches Obst dunkel lagern, mit Papier getrennt

  • Eier müssen nicht in den Kühlschrank

  • Eierkartons meiden – wieder Pappe

Und für Obst und Gemüse:
Ein einfaches Relingsnetz ist Gold wert.

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Was tun mit dem Müll?

Hier hört der Spaß auf, und es beginnt die Verantwortung.

  • Jedes Verpackungsmaterial möglichst schon im Hafen lassen

  • Dosen, Becher und Flaschen in Salzwasser reinigen und klein machen

  • Auf hoher See nur organische Abfälle über Bord – sonst nichts

    Ein sauberer Törn ist auch ein respektvoller Törn. Ich habe noch nie verstanden, warum das nicht überall selbstverständlich ist.

Warum Packen auch Psychologie ist

Die meisten von uns packen nicht für den Törn –
sie packen für ihre Ängste.

  • Angst, etwas zu vergessen

  • Angst, nicht vorbereitet zu sein

  • Angst, auf etwas verzichten zu müssen

Aber auf See ist das Gegenteil der Fall:

Weniger Gepäck macht die Reise leichter.
Weniger Dinge machen den Kopf freier.
Und Ruhe und Gelassenheit kommen von selbst, wenn man Platz schafft – auch im Gepäck.
Packt stattdessen ein gutes Buch oder, noch besser, einen  randvollen Ebook-Reader ein!
Am Ende der Reise stellen dann fast alle fest:
Sie haben die Hälfte ihrer Sachen nicht gebraucht.

Und das ist gut so.
Es zeigt, dass man auf See wieder lernt, was man wirklich braucht.

Viele, die mich kennen, haben den Fernsehfilm gesehen, den meine Tochter Luana über mich gedreht hat.
Vielleicht erinnert Ihr Euch ja an das Motto des Films:

Alles, was ich brauche, paßt in einen Seesack

Mein Rat nach 14 Atlantiküberquerungen

Packt leicht. Packt klug. Packt so, dass Ihr wisst:

„Das Schiff trägt uns. Nicht unsere Taschen.“

Alles Wichtige gibt es vor Ort.
Alles Lebensnotwendige ist an Bord.
Und der Rest ist Freiheit – die wiegt nichts.

Das war’s für heute. Und wenn Euch jetzt Lust und Fernweh packen: Auf meiner Törn-Übersichtsseite kann Euch geholfen werden!

Stay tuned – Euer Segelwolf

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